Woodwalk Juni – was stimmt mit dir nicht?

Regelmäßige Besucher meiner Seite wissen inzwischen, dass ich mir jeden Monat eine kleine Auszeit im Wald gönne, Natur pur, keinen Schnickschnack, nur der Wald und ich.
Wenn ich dann auf die Frage, was ich so am freien Tag gemacht habe antworte, dass ich im Wald übernachtet habe, reicht die Palette der Reaktionen von erstaunter Neugier bis hin zu glaubhaftem Entsetzen und der ernst gemeinten Frage, was mit mir nicht stimme?

Diese Frage kam mir auf meiner Junirunde wieder in den Sinn und ich suchte nach einer Antwort darauf, genauso wie auf die Frage, ob ich denn keine Angst vor wilden Tieren habe?

hier stimmt alles.

– Wild sind die meisten Tiere bei uns im Wald wohl kaum zu nennen, außer einem blutdurstigen Schwarm Mücken vielleicht. Alle anderen haben große Scheu vor dem Menschen und da käme wohl weder das gemeinhin gefährliche Reh auf den Gedanken neben meiner Schlafstätte zu äsen, noch das borstige Wildschwein des nachts unter meiner Decke nach Bucheckern zu wühlen. Ich denke vielmehr, dass die Entfremdung von der Natur viele Menschen verunsichert, das Nichtkennen nächtlicher Geräusche und die Furcht vor allen Tieren, es sei denn sie sind niedlich possierlich oder sicher hinter einem Gitter eingesperrt. Ein wirklich gefährliches Tier habe ich jedenfalls noch nicht getroffen im Wald, außer besagtem Schwarm Mücken natürlich.

Aber warum ist das so? Ganz einfach, wir sind ‚zivilisiert‘. Brennholz wird geschnitten geliefert, Lebensmittel akkurat steril verpackt im Supermarkt gekauft,alles ist sauber, alles ist klimatisiert, Bus, Bahn (außer im Sommer) und Auto, das ganze Leben ist in zivilisatorische Bequemlichkeit gepackt, die Natur brav außen vor. Tiere kennen wir aus Zoos oder dem Fernsehen und wenn es dunkel wird gehen wir allerhöchsten von der Kneipe nach Hause, aber mir Sicherheit nicht in den Wald. Wir leben im Trott einer modernen Gesellschaft und da erscheint es einfach fremd, wenn man auf alle diese „angenehmen“ Dinge einfach mal verzichten will.

Doch es gibt auch kleine Strömungen dagegen. Ganz langsam tasten sich die Menschen neugierig wieder an den „bösen und dunklen“ Wald heran, Waldbaden etwa liegt voll im Trend. Das könnte auch gleichzeitig den Anfang markieren, wieder eine wirkliche Beziehung zur Umwelt und zum Wald aufzubauen, vielleicht sogar mal eine Nachtwanderung zu unternehmen und am Ende ganz selbstverständlich zu einem Teil des Waldes zu werden, ein gern gesehener Gast unter Freunden. Dabei spielt es dann keine Rolle, ob es Tag oder Nacht ist. Versucht es einfach mal, auch wenn ihr am Anfang vielleicht denken werdet, dass da etwas komisch dran ist.

Ich für meinen Teil bin der festen Überzeugung, dass mit der Natur und mit mir alles stimmt, so wie es ist, als ich zufrieden unter eine knorrigen Buche mein Lager aufbaue und mich auf eine Nacht unter Freunden freue…

Freund Wald.

 

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