Politik und Heimat

Heimat, auf dieses Wort stoßen wir in den letzten Monaten des Öfteren. Jeder kennt es, die meisten benutzen es, aber was genau bedeutet „Heimat“ eigentlich?

Die meisten Menschen verbinden mit Heimat zuerst einmal eine geografische Region,  in der sie lange Zeit lebten oder leben. Doch lässt sich Heimat nicht allein auf eine Region, ein Land oder eine Stadt reduzieren, denn zur Heimat gehören vor allem auch ein sicheres soziales Gefüge, Freundschaften und Familie. Grundsätzlich scheint daher Heimat untrennbar mit einem positives Lebensgefühl verbunden zu sein.

meine Heimat Reinhardswald

Dennoch darf auch der räumliche Aspekt keinesfalls vernachlässigt werden und spielt für das Wohlbefinden der Menschen eine wesentliche Rolle.

Heimat schreiben sich die Politiker heute gerne auf die Fahne

Wir lieben es grün, wir genießen frische, morgendliche Waldluft, erfreuen uns an bunten Blumen, illustrem Vogelgezwitscher und verträumten Schmetterlingen, die tagverloren durch die Luft taumeln.  Natur spielt dabei, zum Glück, für immer mehr Menschen eine immer größere Rolle, denn sie ist nicht nur Grundlage unseres Lebens, sondern auch Raum für Erholung, Entspannung, Kraft und Heilung. Allerlei Sport im Freien, Wald- und Naturgenuss sind ungebrochener Trend. Wir suchen sie regelmäßig außerhalb der großen Städte auf, um aus der unwirklichen Welt moderner Alltagszivilisation zurück zum natürlichen Lebensgefühl zu finden – auch wenn es oft nur für ein paar Stunden ist.

Verständlich also, dass Politiker alle couleur diesen Begriff neuerdings für sich entdeckt haben, um damit lautstark und medial auf sich aufmerksam zu machen und sich nur allzu gerne als Bewahrer und Erhalter von Heimat und Lebensgefühl präsentieren. Eigens wurde sogar ein eigenes Heimatministerium geschaffen, eine ganze Institution, mit dem Auftrag sich hoch offiziell um die Heimat zu kümmern.

meine Heimat Reinhardswald

In der Realität sieht es leider, man verzeihe mir die Wortwahl,  erbärmlich anders aus. Wirtschaft, Lobby und politisches Kalkül stehen leider mit großem Abstand vor dem gesunden Menschenverstand, der Unversehrtheit der Natur und den regionalen Interessen, also der Heimat der Menschen dort.

Für Wiesbaden ist Nordhessen keine Heimat

Ein gutes Beispiel dafür ist leider der Reinhardswald geworden, der kurz davor steht, zu einem Industriegebiet degradiert zu werden, allem Naturpark zum Trotz. Gegen den Widerstand und die Ablehnung der Mehrzahl der Menschen werden Großwindanlagen gebaut werden und die Salzabwasserpipeline samt riesigem Speicherbecken ist auch noch lange nicht vom Tisch. Wiesbaden ist weit weg und so interessiert es die Landespolitiker natürlich wenig, wie die Menschen hier dazu stehen, es ist ja nicht ihre Heimat. Schon seltsam, dass solche Dinge fast immer nur dort geschehen, wo die gemeine Bevölkerung lebt und nicht etwa die High Society oder die Politoberen…

Das noch Traurigere daran ist, dass sich viele Kommunalpolitiker an der Zerstörung dieser Heimat beteiligen, sei es bei der EGR oder als Handlanger der Lobbyisten von K+S. Doch sollte nicht gerade der Kommunalpolitiker auch ein enormes Maß an Verantwortung eben für die Heimat und die dortige Natur übernehmen?

erst wenn der letzte Baum gerodet…

Liebe Politiker, wenn ihr schon unsere Heimat für euch reklamiert, euch großspurig zum Bewahrer aufschwingt, dann verlangen wir Bürger, dass ihr dementsprechend auch handelt! Andernfalls ist die Glaubwürdigkeit mal wieder schneller dahin, als sich das Fähnlein im Wind dreht. Oder ihr habt den Schneid, ehrlich zu sein und zu sagen, dass nur das goldene Kalb Wirtschaft für euch zählt. Dann aber bitte streicht den Begriff Heimat aus euren Wahlprogrammen und Reden.

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