auf Schusters Rappen mit Väterchen Frost

Schon länger liebäugelte ich mit dem Gedanken, wieder mal eine ausgedehnte Tageswanderung zu unternehmen, raus aus dem hektischen Lärm des Alltags, hinein in die angenehme Stille unseres Reinhardswaldes.  Nun passte es auch zeitlich das Bündel zu schnüren und mich in den leicht winterlichen Wald aufzumachen, den Frau Holle vor zwei Tagen noch einmal mit ein wenig weißem Pulverschnee verziert hatte. Gegen die beständige Kälte unter dem Gefrierpunkt half anständig warme Kleidung und gute Wollsocken.

zu Fuß zu Dornröschens Schloss

Da Tageslicht im Winter rar ist, ging es dementsprechend zeitig los. Mit den ersten Sonnenstrahlen dieses herrlichen Wintertages wurden  die Wanderstiefel geschnürt, das Gepäck geschultert und der Weg als das eigentliche Ziel in Angriff genommen. Eine ungefähre Route hatte ich zwar im Kopf, doch machte ich mich auf allerlei Umwege gefasst, da durch Friederikes Windfall und Windbruch sicherlich einige Wege unpassierbar sein dürften.

Winterimpressionen

Die Hauptwege waren bereits weitestgehend von umgestürzten Bäumen befreit, doch auf den kleinen Pfaden türmten sich die Stämme oft zu unüberwindbaren Baumbergen, die es mühsam zu umlaufen galt. Meine gute Laune konnte das nicht trüben, vielmehr sah ich es als kleines Abenteuer an, mir immer wieder einen gangbaren Weg zu suchen. In einem weiten Bogen wanderte ich über den Friedwald, vorbei an Dornröschens Schloss und der Sababurger Mühle zum Urwald Sababurg. Dort wollte ich mich vergewissern, dass die alten Baumriesen dem Sturm wieder einmal erfolgreich getrotzt hatten. Kamineiche, Margarethe und Co standen noch an ihrem Platze, alle um die Erfahrung eines weiteren wütenden Sturmes reicher und dennoch wohlauf.

der Luxus einer Pause

Wer rastet, der rostet – das zumindest behauptet der Volksmund seit Jahrhunderten hartnäckig. Wie aber soll ich ohne Pause eine warme Mahlzeit und einen heißen Kaffee genießen?
Nebenbei wollte ich mal meine, hoffentlich nicht allzusehr eingerostete Fähigkeit testen, ohne Feuerzeug und Streichhölzer meinen Kocher anzufachen. Dazu bediene ich mich in der Regel eines Stückes Birkenrinde oder Kienspan, einem harzigen Stück Kiefernwurzel. Dieses Holz ist, sofern man es klein genug schnitzelt, leicht entflammbar und lässt sich mit einem Schlageisen oder Feuerstahl gut entzünden, zumindest bei Windstille. Zum Glück funktionierte es auch dieses Mal und so konnte ich mich kurz darauf mit einer heißen Linsensuppe und einer dampfenden Tasse Kaffee ein wenig aufwärmen.

Väterchen Frost schafft Stilleben im Winter

Bis zur Dunkelheit führte mich mein Weg durch den Wald, Menschen traf ich keine, mein ständiger Begleiter war nur der Frost und all die zauberhaften Bilder die er malte. Gefrorene Teiche liegen schlummernd im Wald, Eisblumen zieren Gräser und Zweige, die Sonne lässt alles bis zur blauen Stunde in immer wieder faszinierenden Spiegelungen leuchten. Kaiserwetter im Winter will ich meinen!
Gut tat er am Ende, der Tag im Wald, wieder mal die Kälte zu spüren, der Natur auf ihre Art näher zu sein und zu wissen, dass wir mit dem Reinhardswald wohl eines der schönsten Fleckchen Heimat vor der Haustür haben.

Danke Wald, ich komme wieder.

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